Gedicht von Lars Ruppel

Du fragst mich, worum es hier eigentlich geht
Es geht darum, dass es auch einfacher geht


Es geht um gebändigtes Chaos und um Präzision
Es geht um eine echte Literatursensation

Es geht nicht um roden, es geht nicht um kürzen
Es geht darum, das Schwere mit Leichtem zu würzen
Es geht nicht darum, woher die Lesenden sind
Es geht um einen Weg aus dem Text-Labyrinth

Es geht darum, die Seele des Textes zu kennen
Es geht darum, Dinge beim Namen zu nennen
Es geht um das Überwinden von riesigen Hürden
Es geht darum, dass wir uns selbst freuen würden

Um Sprachräuberleitern und Texträtselknacken
Es geht darum, immer mehr in den Wortschatz zu packen
Dass man ein Lied komponiert, zu dem sich jeder bewegt
Es geht darum, dass man die Grundlage legt

Auf der man den Weg geht, dessen Ziel man nicht kennt
Inklusion oder wie ihn die Wissenschaft nennt
Die Texte zu polieren und zu ergänzen
Zu Garnier’n mit erlesenen Inhaltsessenzen

Und wohltemperiert auf dem Tisch zu servieren
Es geht darum, eine neue Kunst zu kreieren
Es geht darum, dass man vom anderen lernt
Es wird kein einziges Buch aus den Regalen entfernt

Es kommen sogar immer wieder neue dazu
Und vielleicht kommt mal eins, dessen Autor bist du?
Eine ganz neue Farbe in ganz neuem Glanz
So wird aus Herumirren plötzlich ein Tanz

Es geht um die, die sich durch den Textdschungel quälen
Es geht um 7,5 Millionen durstige Seelen
Es geht um den Abbau von großen Barrieren
Wie schön wäre es, wenn alle Menschen Lesende wären

Es ist eine Einladung und sie wird gern angenommen
Zum Buchstabensuppenwettessen zu kommen
Für die, die vor geschlossenen Buchdeckeln stehen
Es geht um die Gesellschaft und wie wir sie sehen

Von Elfenbeintürmen hinab auf die Massen
Oder ob wir gemeinsam Geschichten verfassen
Die einen bei Suhrkamp, die ander’n halt nicht
Erfolg ist auch nur eine Frage der Sicht

Doch stell dir mal vor, du läufst nachts durch die Stadt
Und in jedem Haushalt, der Licht brennen hat,
Liest man ein Buch, ganz egal, wer dort wohnt
Dann haben sich die Mühen doch wirklich gelohnt

Stell dir mal vor, jeder weiß, worum’s geht
Keine Angst vorm Papier, weil man weiß, was dort steht
Ob Shakespeare mit altgriechischem Textkommentar
Oder die Liebe in Zeiten der Cholera

Oder Volle Lotte: Das ist Literatur, die man fühlt
Das ist der Textfluss der dich durch die Kulturlandschaft spült
Man liest, dann sind die Gedanken so frei
Das wirksamste Mittel gegen RTLzwei

Das Schild ist das Blatt und das Schwert ist der Stift
Sei dabei, wenn man sich einmal wöchentlich trifft
Lies einmal anders, Hauptsache du liest
Es geht darum, dass man die Worte genießt

Es geht um die Einfachheit und um die Kunst, die sie ist
Es geht darum, dass du was Besonderes bist.

***

Das Gedicht ist von Lars Ruppel.
Infos über Lars Ruppel und mehr Gedichte gibt es hier:
larsruppel.de

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