Kleine Wörter: ja

Die Sprache von uns Menschen ist etwas Besonderes.
Wir haben diese kleinen Wörter mit den großen Bedeutungen.

Diesmal:

 ja


Ein sehr kurzes Wort mit sehr großer Macht:
Wenn ich auf dem Standes·amt ja sage,
dann bin ich verheiratet – mein Leben lang.

 

Interessant wird es aber erst,
wenn das Wort -ja- in einem Satz steht.

Beispiel: Kollegen und die Arbeit


Kollege A sagt:
„Du hast ja nicht so viel zu tun.
Dann kannst du doch XY machen.“

Jetzt bin ich in einer blöden Situation.
Wenn ich nein sage, muss ich das erklären.
Denn das Normale ist:
Wer wenig zu tun hat, der übernimmt die Arbeit.

Ich habe aber viel zu tun.
Ich müsste sagen, warum ich so viel zu tun habe.
Ich müsste sagen, warum ich das noch nicht geschafft habe.
Ich müsste sagen, warum es nur so aussieht, als hätte ich wenig zu tun.

Die Sätze werden länger.
Die Sache wird komplizierter.
Ich stehe immer schlechter da, je mehr ich rede.

Also einfach ja sagen?
Auch schlecht.
Ich müsste XY erledigen.
Und alle denken, ich habe wirklich wenig zu tun.

Also ganz anders:
Ich sage, dass Kollege A das gar nicht beurteilen kann.
Auch schlecht.
Das ist fast wie ein Angriff.
Dann steh ich schlecht da, weil ich Streit mache.
Und die anderen denken immer noch,
dass ich wenig zu tun habe.

Einzige Lösung:
Die Arbeit teilen.
Mit Kollege A.
Der hat ja gerade etwas Zeit übrig …

 

Was bedeutet -ja- im Satz?

Warum funktioniert das so gut mit dem -ja-?
Weil das Wort -ja- eigentlich Folgendes meint:
Ich weiß, dass du es auch weißt.
Ich weiß, dass du weißt, dass ich weiß, dass du es auch weißt.

 

Beispiel: Ehepaar beim Frühstück

 

Mein Mann sagt zu mir:
„Die alte Frau Müller hat ja wenig Geld.“
Er erinnert an gemeinsames Wissen und will damit weiter·arbeiten:
„Die alte Frau Müller hat ja wenig Geld.
Wollen wir ihr anbieten, das Abo für die Tages·zeitung zu teilen?“
„Klar“, sage ich.

Eigentlich sehr nützlich, dieses kurze -ja-.
Ich bin nicht beleidigt, weil mein Mann mir etwas erzählt, was ich schon weiß.
Gleichzeitig verstehe ich sofort, warum er die Zeitung teilen will.
Nicht das Altpapier loswerden, sondern Frau Müller einen Gefallen tun.
Denn sie liest ja gern.
Das wissen wir ja auch beide.

Mein Mann sagt noch:
„Du bist ja die Diplomatischere von uns beiden.
Schlag du ihr das doch vor.“

Da fühle ich mich gleich wieder an Kollege A erinnert.
Der benutzt das -ja- ja auch gern,
wenn er sich vor etwas drücken will.

 

Die Abbildungen sind von pixabay.com

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